Kurz gefasst: Was mich ärgert…

Es gibt so ein paar Sachen, die ärgern mich doch merklich.

1. Misgendering. Das heißt, Menschen in einer Geschlechtlichkeit anzusprechen oder in einer Geschlechtlichkeit über sie zu reden/schreiben/…, die nicht die ihre ist. Z.B. an mich gerichtet „der Herr” oder in dritter Person „er”. Das nervt und diskriminiert und schafft Raum auch für andere Formen von Diskriminierung. Und daher ärgere ich mich durchaus auch darüber, wenn es nicht direkt an mich gerichtet ist bzw. mit mir zu tun hat. Ein recht neues Beispiel ist ein Bericht auf beck-blog (absichtlich nicht verlinkt). Das ist ein juristisches Blog, und die sind an sich juristisch kompetent und dort wird manchmal auch – für juristische Verhältnisse jedenfalls – durchaus kritisch geschrieben. Jedoch hat ein Hans-Otto Burschel, mit Titelangabe „Direktor des Amtsgerichts”, sich nun eben dies geleistet. Berichtet wird über eine Entscheidung des Berliner Kammergerichts (das, was anderswo Oberlandesgericht heißt, für das Land Berlin) vom 30.10.2014 – 1 W 48/14. Ein Mann mit transsexueller gender history (Geschlechtergeschichte) hat nach erfolgter Namensänderung und rechtlichem Nachvollzug der Geschlechtsidentität (sog. „Personenstandsänderung”) ein Kind geboren und darauf geklagt, in seiner richtigen Identität in dem Geburtseintrag des Kindes geführt zu werden. Das Gericht schreibt konsequent von „der Beschwerdeführer”, „er” usw., auch wenn es in seiner Entscheidung – wohl leider den derzeit geltenden Rechtsnormen entsprechend – letztlich die Beschwerde abgewiesen und das Standesamt angewiesen hat, den Mann als „Mutter” und unter den früheren Vornamen (die ansonsten einem Offenbarungsschutz unterliegen) einzutragen. H.-O. Burschel meint nun in seinem Artikel, von „Sie” bzw. „er/sie” usw. schreiben zu dürfen. Check your cis privilege, H.-O. Burschel!

2. Leute, die sich als aware (bewusst insbesondere in Hinsicht auf Macht- und Unterdrückungsstrukturen) gerieren, auch als gender-aware, dies dann aber so richtig gar nicht erfüllen. Beispiele gibt es leider viele. Zum Beispiel: Gender Gap benutzen („irgendwas_in”) und später dann doch unhinterfragt von „Männer und Frauen” zu reden, im Sinne von „ich meine alle (erwachsenen) Menschen”, also genau die gerade wieder unsichtbar zu machen, die mit dem Unterstrich eigentlich sichtbarer gemacht werden sollten.
Variante: „offen für Frauen*” ohne auch nur ein Wort über trans* inclusion oder exclusion, inter* dito …


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